Reisen mit Equipment


Reisen mit Equipment ins Nicht-EU-Ausland: Was du beachten musst

Die Heraus­for­derung


Die mediale Begleitung von Events im Ausland kann aufregend sein – bringt aber auch besondere Heraus­for­de­rungen mit sich. Sobald Equipment mit ins Nicht-EU-Ausland reist, gibt es wichtige Vorgaben und Vorbe­rei­tungen, die ein reibungs­loses Arbeiten ermög­lichen. In diesem Beitrag teilen wir unsere Erfah­rungen und geben Einblicke in zentrale Themen wie Medien­ak­kre­di­tierung, Zollab­wicklung und Versi­cherung, die du bei der Reise­planung mit techni­schem Equipment unbedingt beachten solltest.

Der Hinter­grund


Als Produk­ti­onsteam bekamen wir kürzlich die spannende Anfrage, das Weltfinale der World Robot Olympiad (WRO) in Izmir, Türkei, medial zu begleiten. Nachdem wir bereits in Dortmund, Freiburg und Passau erfolg­reich mitge­wirkt hatten, war die Entscheidung leicht – wir sagten begeistert zu!

Doch kurz darauf wurde uns bewusst, was es bedeutet, mit techni­schem Equipment ins Nicht-EU-Ausland zu reisen. Für uns ein Neuland, das uns schnell vor Begriffe wie Medien­ak­kre­di­tierung, Ausland­s­e­quip­ment­ver­si­cherung, Inven­ta­ri­sierung, Zoll und Carnet ATA stellte. Im Folgenden beschreiben wir die wichtigsten Punkte, die wir für diesen Einsatz in der Türkei vorbe­reiten mussten – und was dabei besonders zu beachten ist.

Medien­ak­kre­di­tierung: Grund­vor­aus­setzung für den Einsatz vor Ort


Um in der Türkei und anderen Ländern filmen zu dürfen, ist eine offizielle Einladung oder sogar eine Presse- oder Medien­ak­kre­di­tierung erfor­derlich, die genau den Einsatz und das dafür benötigte Equipment beschreibt. Auch die Benennung einer lokalen Kontakt­person ist essen­ziell, um bei eventu­ellen Fragen oder Problemen Unter­stützung Vorort zu erhalten. Ohne diese Dokumente können Verzö­ge­rungen oder sogar Einrei­se­ver­wei­ge­rungen drohen. Die Akkre­di­tierung ist eine entschei­dende Vorbe­reitung die je nach Land ggf. einige Zeit zur Vorbe­reitung benötigt. 

Versi­cherung: Schutz für den Auslandsaufenthalt


Neben einer Betriebs­haft­pflicht­ver­si­cherung und einer Vermö­gens­haft­pflicht­ver­si­cherung ist auch eine spezi­fische Equip­ment­ver­si­cherung für Einsätze außerhalb der EU unver­zichtbar. Gerade bei hochprei­sigem Equipment lohnt es sich, für das Projekt eine spezielle Versi­cherung abzuschließen, die oft kosten­güns­tiger ist als eine umfas­sende, weltweit gültige Versi­cherung. Dazu lohnt sich auch ein genauer Blick in ggf. schon vorhandene Versi­che­rungs­po­licen oder eine Rücksprache mit der Versi­cherung oder einem Versicherungsmakler.

Zollan­ge­le­gen­heiten und das Carnet ATA


Wenn der Wert des Equip­ments die Zollfrei­grenze überschreitet, ist eine offizielle Anmeldung und die vorüber­ge­hende Ausfuhr erfor­derlich. Hierzu benötigt man ein sogenanntes Carnet ATA, welches man z. B. digital über die Webseite der IHK beantragen kann. Das Carnet ATA bietet hier eine enorme Erleich­terung, indem es die zollfreie Ein- und Ausfuhr von Equipment in über 80 Ländern ermög­licht. Voraus­setzung für die Nutzung des Carnet ATA ist jedoch eine präzise Inven­tar­liste mit allen Kompo­nenten, Serien­nummern und den Zeitwerten. In manchen Ländern gibt es dazu noch weitere Vorgaben – in unserem Fall, der Türkei, benötigen wir einen türki­schen Ansprech­partner und die Liste mit allen Gegen­stände auf einem USB-Stick als Excel-Datei.

Um sicher zu gehen, dass alles passt, lohnt es sich auf jeden Fall Rücksprache mit der zustän­digen IHK zu halten. Wir haben das telefo­nisch gemacht und wurden bei der Erstellung der Dokumente tatkräftig von unserer Ansprech­part­nerin unter­stützt. An dieser Stelle ein großes Lob und herzlichen Dank an die IHK für den super Service. 

Effiziente Inven­ta­ri­sierung

Im Zuge der Erstellung des Carnet ATAs wurden wir auch mit der Inven­ta­ri­sierung des gesamten Equip­ments konfron­tiert. Ja, das sollte man eigentlich sowieso machen. Aber mal Hand aufs Herz – wer hat denn schon sein gesamtes Equipment feinsäu­berlich inven­ta­ri­siert? Ja richtig, wir! Aber natürlich erst nachdem wir mussten ;-P

Um die Inven­ta­ri­sierung und Zollab­wicklung auch in Zukunft zu verein­fachen, haben wir ein eigenes System entwi­ckelt, das alle notwen­digen Infor­ma­tionen sowohl für das Carnet ATA als auch für Versi­che­rungen und das Finanzamt beinhaltet. Dazu pflegen wir eine einfache CSV-Liste aus der wir kleine Etiketten mit Inven­tar­nummern und QR-Codes generieren können. Diese werden automa­tisch gedruckt und auf die einzelnen Teile geklebt. So lässt sich jedes Element sofort digital identi­fi­zieren und durch den QR-Code gelangt man zu einem Online-Steckbrief, der alle relevanten Infor­ma­tionen enthält. Diese Lösung spart uns wertvolle Zeit und hilft, unser Equipment auch langfristig optimal zu verwalten.

Learnings für zukünftige Projekte


Die Vorbe­reitung für eine Auslands­pro­duktion ist deutlich umfang­reicher als zunächst gedacht. Eine präzise Dokumen­tation und eine vollständige Inven­tar­liste erweisen sich dabei als besonders wertvoll, da sie Zeit und Nerven sparen. Ein herzlicher Dank geht an Philip Kistner für seine wertvollen Tipps zu Versi­che­rungen und dem Carnet ATA sowie an die IHK Nordwest­falen für die großartige Unter­stützung in Zollfragen. Mit dieser Hilfe konnten wir die nötigen Schritte effizient umsetzen und sind nun bestens vorbe­reitet auf zukünftige Projekte.

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